zur Startseite

 

Orte

 

Familien

 

Lesen Sie auch die ernüchternden Worte im Impressum


Inhalt:

1. Zugehörigkeiten 2. Einwohnerzahlen 3. Besonderheiten 4. Bürgermeister 5. Geschichte

 

1. Darkehmen, sp. Angerapp

Historische Ansichtskarte

Quelle: www.bildarchiv-ostpreussen.de

 

1. Zugehörigkeiten:

Schreibweise Jahr Kirchspiel Amt Quelle
Darckehmen 1785 Darkehmen ohne VFFOW S 7
Darkehmen 1736 kA Weedern VFFOW S 23
Darkehmen 1748 kA kA Lucanus
Darkehmen 1818 Darkehmen Stadt Darkehmen VFFOW S 48
Darkehmen 1818 Dombrowken Stadt Darkehmen VFFOW S 48
Darkehmen 1863 Darkehmen kA Kühnast
Darkehmen 1907 Darkehmen Darkehmen VFFOW S 102
Darkehmen 1912 Darkehmen kA VFFOW S 59
Darkehmen 1913 kA kA Adreßbuch
Darkehmen, Mühle 1818 Darkehmen Stadt Darkehmen VFFOW S 48
Darkehmen, Stadt 1939 kA kA Ortsliste 1939

 

gehörte 

1894 und 1927 zum Amtsgerichtsbezirk Darkehmen

1894 und 1927 zum Postbezirk Darkehmen

1907 zum Standesamt Darkehmen.

 

2. Einwohnerzahlen:

Jahr Einwohner
1725 742
1754 1.000
1756 1.007
1759 778
1763 1.072
1782 1.600
1806 1.756
1807 1.630
1815 1.724
1816 2.074?
1818 1.740
1843 2.242
1846 2.296
1849 2.212
1852 2.420
1855 2.551
1858 2.703
1861 2.829
1863 2.820
1864 3.106
1867 3.081
1871 3.078
1875 2.924
1880 2.983
1885 3.017
1890 3.448 (2.884)
1895 3.542 (2.920)
1900 3.534 (2.958)
1907 3.558
1910 3.514 (2.941)
1913 3.533
1919 (3.156)
1925 3.375 (3.411?)
1933 3.652
1937 4.221
1939 4.336

in Klammern: Zahl der Einwohner ohne die Garnison (ab 1890)

3. Besonderheiten:

1894: Bahnhof der Preußischen Staatsbahn, Linie Insterburg-Lyck, Vorschussverein, Landratsamt, evangelische Pfarrkirche, elektrische Straßenbeleuchtung, Maschinenfabrik, Messingwarenfabrik, Bierbrauerei, Getreidehandel, Viehmärkte, Pferdemärkte, bedeutende Pferdezucht auf vielen Gütern des Kreises.

Historische Ansichtskarte

Quelle: www.bildarchiv-ostpreussen.de

Der Krammarkt in Darkehmen

Quelle: www.bildarchiv-ostpreussen.de

 

4. Bürgermeister:

1725-1757: Erster Bürgermeister der neugegründeten Stadt Darkehmen war Johann Christian (Storz nennt als Vornamen "Christof") Meißel (*1689 in Königsberg + 1763 Stettin), der zuvor in Königsberg bei der Kriegs- und Domänenkammer als Bauschreiber tätig war. Er wurde 1723 vom Amtmann des Amtes Gudwallen Schuhmann zum Mühlenschreiber berufen und 1725 von der Dorfschaft Gr. Darkehmen zum Mühlenschreiber und Dorfrichter bestellt. Er "lenkte durch seine Tatkraft die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich. Dieser Umstand und seine Kenntnis der notwendigen Verwaltungsformen ließen ihn allein als Bürgermeister geeignet erscheinen. Er war ein Praktiker, wie sie der Soldatenkönig schätzte" Daß nur wenige Bürger fähig zu solchen Aemtern waren, zeigt der Umstand, daß Meißel auch die Aemter des Stadtschreibers und Richters versehen mußte. Als solcher hatte er einmal die Regsitratur in Ordnung zu halten, die Expedition der Magistratssachen zu besorgen, alle Tabellen (Seelentabelle, Aufstellung der Salzkonsumenten, Kantonsrollen, Viehstandsregister) aufzustellen und die Kämmereikasse zu kontrollieren, als Richter die Verhandlungen in Polizei- und Gerichtssachen aufzunehmen. [...] Die umfangreiche Arbeit war mit nur kärglichem Lohn bedacht. Als Bürgermeister erhielt Meißel 20, als Stadtschreiber und Richter 33 1/3 Taler, dazu kamen Gebühren und zwei Diensthufen."11) Am 10.09.1725 wurde er von Etatsminister von Görne und Kriegsrat von Schlubhut zum Bürgermeister, Stadtschreiber, Acciseeinnehmer und Postmeister ernannt. Meißel wurde im Herbst 1757 verhaftet, weil er der russischen Armee Pulver aus der Darkehmer Pulvermühle ausgeliefert hatte.9) Er bekleidete nach einer Festungshaft eine untergeordnete Beamtenstelle in Stettin, wo er 1763 starb.

1758-~1787: Johann Christian Cruse, bisheriger Ratsverwandter und Sohn des früheren Stadtkämmerers, wird sein Nachfolger.9) Am 23.01.1758 erging die Bitte um Bestätigung als Bürgermeister an die Gumbinner Kammer. Cruse war der Sohn des früheren Stadtkämmerers und das älteste Magistratsmitglied. 1781 musste er seine Geldverlegenheit der Gumbinner Kammer anzeigen, worauf man dort Anweisungen erließ, ihm die Kassen abzunehmen. Gegen 1787 muss er "ganz unvermögend" und wegen Invalidität in den Ruhestand getreten sein. Zum Nachfolger war Simon Hundsdörffer bestimmt, starb aber ganz plötzlich am 23.12.1787.15)

13.06.1788-02.10.1807: Nach längeren Auseinandersetzungen zwischen dem Darkehmer Magistrat und der Gumbinner Kammer wird Carl Wilhelm Rothkamm (* 1740 Pillkallen + 02.10.1827 Darkehmen) als Bürgermeister bestätigt.16) "Die Bürger wollten den Stadtrichter und -schreiber Dewitz als Nachfolger haben. Man willfahrte ihrem Wunsche nicht, die Stelle wurde interimistisch mit dem Kammerrat Dallmer besetzt, der sein bisheriges Amt durch die Abtretung der polnischen Gebiete Preußens verloren hatte und nun auf Kosten der Stadt wieder untergebracht wurde. Dieses Interim währte bis 1809, nun erst wurde Dewitz zum Bürgermeister gewählt und bestätigt."18)

12.02.1809-1815: Carl Christian Dewitz. Wird 1815 "als Justitiar und Notarius publicus bei den Untergerichten im hiesigen Departement in Tilsit angestellt" (VFFOW 70, 16).

22.08.1815- 07.10.1819: Kapitän August von Lysniewski. War als Leutnant seit Juni 1812 Platzkommandant in Darkehmen. Er legte 1818 eine handschriftliche Chronik an, die die Geschichte des Ortes an Hand der Akten seit der Stadterhebung 1725 schildert.8) "Er kam seinen Dienstpflichten eifrig nach, sodaß man sein Gehalt 1816 auf 500 Tlr. erhöhte. Die angebotene Anstellung auf Lebenszeit lehnte er jedoch ab und ging am 1. April 1819 als Landrat nach Sensburg."19)

04.04.1819-10.10.1823: Johann Heinrich Karl Quassowski (* 20.10.1764 Adl. Linkuhnen, Krs. Niederung  + 10.10.1823 Darkehmen). Quassowski war vorher Preußischer Oberamtmann und Domänenpächter zu Weedern und davor Amtmann zu Seckenburg.7) Er setzte von Anfang 1819 bis 1822 die Stadtchronik fort.8) "In seinen persönlichen Angelegenheiten ein schlechter Haushalter, brauchte er ständig Vorschuß und geriet darob mit dem Stadtkämmerer Hellenstein in manchen Zwist." Er starb in "ärmlichsten Verhältnissen".20)

1823-1830: Mälzenbräuer Astecker aus Darkehmen. "Seit 1802 hatte er als Ratsverwandter der Vaterstadt gedient. In seiner Zeit besserten sich die Erwerbsmöglichkeiten der Bürger und die Einnahmen der Stadt wesentlich, sodaß man auch wieder an öffentliche Arbeiten denken konnte."21) Auch er führte die handschriftliche Stadtchronik bis Anfang 1829 fort.8) Gut Klewienen ging am 23.09.1827 bis März 1837 aus der landschaftlichen Sequestration an ihn über. Trat 1830 als Bürgermeister zurück.

Oktober 1830-1846: Stadt- und Polizeisekretär Jäglinger (* ~ 1804) aus Darkehmen. "Bei der Bestätigung machte die Regierung [...] Schwierigkeiten. Erst nach einer gut bestandenen Prüfung auf kommunalrechtliche Kenntnisse wurde er im Oktober 1830 eingeführt. Trotzdem ist er nicht so tüchtig gewesen, wie Horn meint, auch wenn er 1836 mit Rücksicht auf seine 'Verdienste' für 12 weitere Jahre gewählt wurde und 500 Tlr. Gehalt erhielt. Eine Revision wünschte Jaeglinger mehr Energie und Ordnungsliebe, desgleichen wurden Klagen über mangelhafte Straßenreinigung, seit Jahren vergessene Revision der Maße und Gewichte sowie andere Aufgaben der Lokalpolizeiverwaltung geführt. Unglück in der Familie entschuldigte einen Teil der in den 40er Jahren zunehmenden Unterlassungssünden."22) Von 1829 bis 1833 war er wie seine Vorgänger der Stadtchronist.8)

Dezember 1846-Dezember 1847: vertretungsweise Regierungs-Zivilsupernumerar Hensel. War wohl auch schon 1833 Vertreter des Bürgermeisters, denn von 1833 bis 1835 führte er wahrscheinlich die Stadtchronik weiter.8)

ab Dezember 1847: vertretungsweise Stadtkassenrendant Didzun und Kommunalkassenrendant Meyhöfer, beide in Darkehmen.

04.02.1848-15.08.1852: Baumgard (Baumgarth). War vorher Stadtkämmerer in Memel. Baumgard wurde 1849 von den Wahlmännern der Kreise Darkehmen, Angerburg, Lötzen und des Kirchspiels Jodlauken zum Deputierten für die zweite preußische Kammer gewählt und ging für die Wintermonate nach Berlin. "Nun begann für Darkehmen eine führerlose Zeit. Durch drei Winter hindurch war Baumgardt abwesend, 1852 dauerten die Kammersitzungen sogar bis zum Mai. Auch die Vertreter des Bürgermeisters wechselten. Im Winter 1849/50 versah der Regierungsreferendar Dziobek das Amt, im nächsten Winter der Ratmann Loße, dem der Stadtkassenrendant zur Seite stand, und Baumeister Borkmann, für die Sitzungsperiode 1851/52 der Domänenintendant v. Guericke. Die Vertretungskosten mußte Baumgarth aus seinem Gehalt decken."23) Ging 1852 als zweiter Syndikus zur Landschaftsdirektion nach Angerburg. "In Darkehmen begann wieder die Vertreterwirtschaft. Der Beigeordnete Apotheker Kuebler übernahm die Verwaltung, Intendant von Guericke führte die Polizeigeschäfte."24)

1853-30.09.1861: Lübke (+ 1882 Berlin). War vorher Stadtkämmerer in Arys. "Man darf seine Amtszeit wohl als den tiefsten Stand der Stadtverwaltung im 19. Jahrhundert bezeichnen. Es kam soweit, daß die Regierung wegen 'großer Lodderwirtschaft' Lübkes ihm mit dem Disziplinarverfahren drohte."25) Wurde am 1. 10. 1861 pensioniert

04.04.1862-Januar 1879: Ritter. Legte sein Amt nach 17 Jahren unter Verzicht auf die Pension nieder.26)

Januar 1879-27.11.1905: Stadtsekretär Karl Siebert (+ 27.11.1905 Darkehmen). "Fast ein halbes Jahrhundert haben diese beiden Männer [Ritter und Siebert] die Geschicke der Stadt gelenkt. Ihnen ist es zu verdanken, daß Darkehmen bereits jahrelang über moderne Einrichtungen verfügte, als man in anderen gleichgroßen Städten Ostpreußens daran ging, solche zu schaffen."27) Nach Sieberts Tod verwaltete Reg.-Ref. von Bahrfeldt das Amt.

20.03.1906-1920: Stadtsekretär Brüggemann aus Pillau. Während seiner Amtszeit wurde Darkehmen von Russen besetzt. "Zum Notbürgermeister wurde der Steinsetzmeister Gräwert ernannt."29)

1920-1921: Willi Seroski. Mitglied der DDP. War vorher erst Gerichtssekretär. dann Bürgermeister in Saalfeld. War anschließend erst kommissarisch, danach bis Ende Februar 1933 endgültig Landrat des Kreises Darkehmen.30)

Frühjahr 1922-Mitte 1933: Ernst Schimkat. War vorher Kreissekretär beim Kreis Militsch. Starb nach 1958 in Hildesheim.

Mitte 1933-1938: Horst Zachrau. Mitglied der NSDAP. War vorher Bürgermeister von Rhein, später Bürgermeister von Riesenburg.

1938-1939: Günther Petry. Mitglied der NSDAP. War vorher Bürgermeister in Drengfurt. Ist im 2. Weltkrieg als Oberstleutnant gefallen.

 

5. Geschichte:

"Nach den Kirchenrechnungen von 1726/27 enthält das erste Bürgerverzeichnis 62 lauter deutsche Namen. 1727 zählte die Stadt 72 Bürger, dazu noch 12 Losgänger und 5 Witwen. Genaueres wissen wir nur über die Einwanderer, die in Darkehmen Bürgerrecht erworben haben. Bis zum Jahre 1732 sind 84 Bürger neu aufgenommen worden. Von 1732 bis 1734 kamen noch 168 Salzburger als Bürger dazu."9)

01.01.1874: Der Ortspolizeibezirk Darkehmen umfasst die Stadtgemeinde Darkehmen und die Landgemeinde Eszerischen.

01.01.1908: Der Ortspolizeibezirk Darkehmen umfasst die Stadtgemeinde Darkehmen und die Landgemeinde Eszerischen.

27.04.1927: Eingliederung der Landgemeinde Awißen aus dem Amtsbezirk Gudwallen in die Stadtgemeinde Darkehmen.

30.09.1928: Umwandlung des Gutsbezirks Eßerischken in eine Landgemeinde gleichen Namens.

?: Eingliederung der Landgemeinde Eszerischken in den Amtsbezirk Ernstburg.

01.09.1931: Der Ortspolizeibezirk Darkehmen umfasst die Stadtgemeinde Darkehmen.

03.06.1938: Umbenennung der Stadt Darkehmen in Darkeim.

16.07.1938: Umbenennung der Stadt Darkeim in Angerapp.

01.04.1941: Eingliederung der Stadt Angerapp (teilweise, ca. 95 ha) in den neuen Heeresgutsbezirk Gudwallen im Amtsbezirk Gudwallen.

01.01.1945: Der Ortspolizeibezirk Angerapp umfasst die Stadt Angerapp.1)


Aus dem Handbuch der historischen Stätten (Stuttgart 1966):

"Darkehmen (Angerapp, Ozersk, Kr. Darkehmen). Das in vielen Windungen eingeschnittene Tal der Angerapp ist auf seinen Uferhöhen von zahlreichen vorgesch. Fliehburgen und Siedlungsflächen der Nadrauer begleitet. Während die dt. Besiedlung von Gerdauen her noch im Ma. im S des späteren Kreises D. die Angerapp bei Sobrost 1388 erreichte, ist der Ort D. erstm. 1539 als Darkyem (Darkeim) erwähnt. Die erste Kirche stand 1615. Obwohl die Mühle mit dem Wehr und der Straßenübergang nicht unbedeutend waren, blieb D. ein Dorf, bis Friedrich Wilhelm es am 10. September 1725 mit Stadtrecht begabte. Schultheiß v. Unfried hatte den regelmäßigen Stadtplan um den 13 Morgen großen Marktplatz schon vorher entworfen. Lebhafte Einwanderung von Handwerkern aller Art brachte besonders Lederverarbeitung und Tuchmacherei zum Aufblühen. Unter 742 Einw. i. J. 1725 waren bereits 103 Salzburger. 1763 waren es schon 1072 Einwohner, 1937 dann 4221. Die handwerklichen Betriebe des 18. Jh. konnten sich nach den Befreiungskriegen gegenüber der westdeutschen Entwicklung nicht behaupten. Im Kreis herrschte Großgrundbesitz vor, der weltbekannte private Pferdezuchten erlaubte. Durch das Mühlenwehr wurde in der Stadt frühzeitig Elektrizität gewonnen, und D. rühmte sich, bereits 1880 elektrische Straßenbeleuchtung zu besitzen. Im ersten Weltkrieg lag D. vom Herbst 1914 bis zum 10. Februar 1915 in der Angerappfront. Die arg zerstörte Stadt erstand noch im Kriege unter Mithilfe der Patenstadt Dresden als aufgelockerte Gartenstadt neu. 1938 wurde die Stadt in A. umbenannt. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges verließen nach den Greueltaten der Russen im benachbarten Nemmersdorf im Oktober 1944 die meisten Einwohner D., das die Truppe am 21. Januar 1945 aufgab. Es liegt grenznah im russ. Verwaltungsbezirk."

zit. nach Angerapper Heimatbrief 1992, S. 33. Anzuzweifeln ist die Angabe, dass 1725 bereits 103 Salzburger in Darkehmen gelebt haben sollen. Die Emigration der Salzburger nach Ostpreußen fand erst 1731/32 statt (vgl. hierzu das Salzburgwiki). Gemeint ist wahrscheinlich 1735.


"Eine erste urkundliche Erwähnung für eine Siedlung gab es wohl schon 1539, anerkannt wurde jedoch erst jene, bei der am 30. 11. 1604 ein gewisser Hans Lengnick ein Krugrecht in Dorekheim (Darkehmen) erwarb. Diese späte Zeit ist erstaunlich, denn in Darkehmen gab es den einzigen Übergang über die Angerapp für die Straße nach Goldap, und Goldap war immerhin bereits 1570 gegründet worden.
König Friedrich Wilhelm I. förderte die Entwicklung Darkehmens zum Marktort und erteilte 1725 die Stadtrechte. Die Anlage der Stadt mit großem viereckigem Markt konzipierte Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt. In der ersten Hälfte des 18. Jhs. ließen sich etliche wegen ihres Glaubens verfolgte Franzosen und ab 1732 insbesondere Salzburger in der Gemeinde nieder und brachten recht bald das Gewerbe der Tuchweberei und der Wollweberei zur Blüte. Die Zahl der Salzburger nahm schnell zu. Im Jahr 1733 gab es bereits 103 Salzburger bei einer Gesamteinwohnerzahl von 742, im Jahr 1756 waren es 183 Salzburger von insgesamt 1007 Einwohnern. 1769 konnte eine Tuchfabrik, 1784 eine Tuchfärberei und 1785 eine Fabrik für feine Lederwaren den Betrieb aufnehmen. Diese Blütezeit währte aber nicht sehr lange. Nach den Befreiungskriegen von Napoleon verlagerte sich das Tuchgewerbe auf industrielle Standorte an anderer Stelle.
Bereits bald nach der Erhebung zur Stadt erhielt Darkehmen eine Garnison, zunächst mit Husaren, ab 1740 mit Dragonern, später auch noch im Wechsel von Husaren mit Bosniaken. Ab 1796/97 logierten in Darkehmen Infanterieregimenter, ab 1902 das 1. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 45 aus Lötzen bis zum 1. Weltkrieg. Eine Kaserne wurde 1882 fertiggestellt.

Quelle: www.bildarchiv-ostpreussen.de


1807 weilte der preußische König Friedrich Wilhelm III. zusammen mit Kaiser Alexander I. von Rußland in der Stadt, 1812 die französischen Marschälle Ney und Davoust, wobei Darkehmen wie die meisten anderen Gemeinden auch stark unter dem Regime der Besatzung zu leiden hatte. Am 1. September 1818 erhob man Darkehmen im Zuge der preußischen Verwaltungsreform zur Kreisstadt.
1878 wurde der Kreis durch die Errichtung der Anschlussstrecke an die Linie Insterburg-Goldap-Lyck an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Schwierigkeiten beim Geländeerwerb hatten die Eisenbahnverwaltung gezwungen, 3 km von der Stadt entfernt den Bahnhof für Darkehmen bei Ströpken anzulegen. Erst 1913 wurde die Bahnlinie von Gumbinnen über Darkehmen nach Angerburg eröffnet.
Bereits in der 1. Hälfte des 18. Jhs. gab es in Darkehmen verschiedene Mühlenbetriebe. In den Jahren 1900 und 1902 wurden zwei neue Mühlen errichtet, die damals höchst modern waren und zu den größten Mühlen der Provinz zählten.
Die Kreisstadt Darkehmen wurde 1938 zunächst in Darkeim, nach Protesten von Bürgern in Angerapp umbenannt. Der Krieg hat die Stadt sowohl 1914 wie auch 1945 hart getroffen. Am 22. 10. 1944 wurde sie von der Zivilbevölkerung geräumt, am 22.1.1945 aufgegeben. Seit dem Ende des 2. Weltkriegs geht die Grenze zwischen Nord- und Südostpreußen durch den südlichen Teil des Kreisgebiets.
In der Gegend von Angerapp fließt das gleichnamige Flüßchen recht munter in einem tief eingeschnittenen Tal, auf der einen Seite mit Steilhang, auf der anderen sanfter ansteigend. Die Fließgeschwindigkeit der Angerapp war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das kleine Städtchen Darkehmen 1886 als eine der ersten Gemeinden des Deutschen Reiches auf seinen Straßen die "elektrische Beleuchtung mittels hohler Glasbirnen" einführte. Initiator war die "Mühle Wiechert", die sich ein fortschrittliches eigenes Kraftwerk zulegte und dabei auch gleich Strom für die Gemeinde produzierte.
Man installierte 16 Bogenlampen und vor jeder Lampe wurde bei der ersten Inbetriebnahme ein Tusch von der Stadtkapelle ausgebracht. Alles Volk hatte sich zu diesem Anlass festlich gekleidet auf den Straßen versammelt, nur der amtliche Laternenanzünder war vergrämt. Der Strom kam von einer Wasserturbine mit einer Leistung von 30 PS, die an einem 3 m starken Gefälle der Angerapp aufgebaut worden war und zusätzlich noch weitere 107 Glühbirnen mit Strom versorgte, die im Magistrat, einigen Gasthäusern und vornehmen Bürgerhäusern brannten. Alle Welt kam damals in die ostpreußische Kleinstadt, um die Wirkung des neumodischen Lichts zu begutachten. 1907 wurde dann ein städtisches Elektrizitätswerk auf dem Markt errichtet, das seinen Zweck bis zum Anschluss an das Stromversorgungsnetz der Ostpreußen-AG. erfüllte.
Die Erinnerung an die Pionierleistung bei der elektrischen Straßenbeleuchtung hat sich erhalten. So wurde anlässlich des Stadtfestes 2006 eine Straßenlaterne an der Ecke Insterburger Straße/Kirchenstraße, die „Alte Laterne“, die das Kreistagsmitglied Heinz Hofmeister aus Dresden mitgebracht hatte, in Anwesenheit des Bürgermeisters der Öffentlichkeit übergeben. Bei demselben Stadtfest wurde das alte Kriegerdenkmal erneut eingeweiht und die verloren gegangene Gedenktafel durch eine neue ersetzt.
In Angerapp geboren wurde der langjährige Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten in Berlin, Prof. Martin Sperlich, der 1984 emeritierte und 2003 starb."
2)


17.10.1808: Einweihung des neuen Stadtkirchhofs (Hinweis aus dem Kirchenbuch Darkehmens)


"Die an der Angerapp gelegene Stadt hat sich aus dem Dorf Dargekyem entwickelt, das 1539 zum erstenmal urkundlich mit sechs Wirten genannt wird. 1615 hatte das Dorf eine Kirche, eine Mühle und einen wichtigen Flußübergang. König Friedrich Wilhelm I. verlieh ihm 1725 das Stadtrecht. Unter den Neubürgern überwogen die Salzburger. Infolge des Mühlenwehrs führte die Stadt schon früh (1880) eine elektrische Straßenbeleuchtung ein. Nach der Zerstörung im l. Weltkrieg wurde sie mit Hilfe der Patenstadt Dresden als aufgelockerte Gartenstadt neu aufgebaut. 1937 hatte sie 4221 Einwohner, 1938 wurde sie in Angerapp umbenannt. - Das Wappen hat in Blau auf grünem Boden vor einem silbernen Dreiberg einen flugbereiten, goldbewehrten schwarzen Adler, darüber eine strahlende Sonne."3)


Straßenverzeichnis (Stand 1.1.1945), aufgestellt von Karl Heinz Czerlinski:

Dr. Arens-Straße Bahnhofstraße Bergstraße
Goldaper Straße Gudwaller Straße Gumbinner Straße
Insterburger Straße Kirchenstraße Koblenzer Straße
Lindenstraße Markt Mühlenstraße
Schützenstraße Schulstraße Wilhelmstraße
Camanter Weg (bis 1939: Demilscher Weg) Fliederweg Gartenstraße
Rosenweg

Die vier letztgenannten Straßen gehörten zur Kleinsiedlung am Camanter Weg.


Die Stadt wurde am 22.01.1945 von der Roten Armee erobert. 

An Ersatztruppenteile waren in der Garnison stationiert das Infanterie-Ersatz-Bataillon 151 und die 7. Marine-Ersatz-Abteilung. 

Als Kommandobehörde bestand das für den Landkreis Darkehmen zuständige Wehrmeldeamt für den Wehrbezirk Insterburg des Wehrkreises I bis August 1941, danach wurde es aufgelöst.4)


"Im 'Zentralblatt für Elektrotechnik', Jahrgang 1886, Seite 637, befindet sich folgende Notiz: 'Darkehmen in Ostpreußen hat sich eine städtische elektrische Beleuchtungsanlage eingerichtet. Zum Betriebe dient Wasserkraft. Die Straßen sind mit Bogenlicht beleuchtet, während für die Häuser Glühlicht vorgesehen ist. Einige Häuser sind bereits angeschlossen.' [...] der Darkehmer Arzt Dr. Salomon [hat] die Anregung zur Errichtung der ersten Beleuchtungsanlage in Darkehmen gegeben [...]. Dr. Salomon scheint mit Werner von Siemens bekannt gewesen zu sein. Im März 1886 wurde die Vertretung von Siemens & Halske in Königsberg, die Firma M. und H. Magnus, vom Magistrat der Stadt Darkehmen aufgefordert, ihm ein Projekt zur Beleuchtung der Stadt einzureichen. Im April 1886 erfolgte der endgültige Auftrag des Magistrats der Stadt Darkehmen an die Firma M. und H. Magnus für den Bau einer Beleuchtungsanlage für 16 über die Stadt verteilte Bogenlampen, die bis zum 1.9.1886 fertiggestellt sein sollte. Der Betrieb [...] erfolgte durch eine von der Firma M. und H. Magnus, Königsberg, gebaute Girard-Vollturbine, die auf dem Mühlengrundstück von Wiechert aufgestellt war."5)


Darkehmen war Garnisonsstadt:

"Seit 1736 lagen Husaren in Darkehmen, 1740 zwei Kompagnien Dragoner. Die ehemaligen Vorwerksgebäude wurden teilweise zu Quartieren und Ställen umgebaut. Verdienst war für die Stadt nicht dabei, denn die Kompagnien waren zumeist nicht in voller Stärke vorhanden. Im Frühling wurden die Beurlaubten eingezogen und die Truppenteile auf die richtige Stärke gebracht. Sie rückten dann für zwei Monate (Mai und Juni) zu Uebungen und Besichtigungen aus, die bei Goldap, dem Hauptstandort des Regiments, und Wehlau stattfanden."12)

1764-1777 und 1783-1792: Husaren-Regiment Nr. 5 (errichtet 1741, bestand 1914 als 1. und 2. Leibhusarenregiment)

1770-1792: Husaren-Regiment Nr. 9 (errichtet 1744 als Korps Bosniaken, bestand 1914 in den Ulanen-Regimentern 1 und 2. Wurde aus Regiment Bosniaken, Towarczys (= Ulanen) genannt, seit 1795 ein Tartaren-Pulk zugeordnet, 1806 Regiment und Bataillon Towarczys, bis 1762 dem Husaren-Regiment Nr. 5 zugeteilt)6)

ab 1800: Dragoner-Regiment Nr. 6 (errichtet 1717, bestand 1914 als Kürassier-Regimenter 3 und 4)


zur Schulgeschichte:

"Erschwert wurde die Tätigkeit der Geistlichen auch durch das fast vollständige Fehlen der Schulen im 17. Jahrh. Um 1638 befanden sich im Amt Insterburg nir vier studierte, also vorgebildete Lehrer. Alle anderen waren Handwerker, die mit mehr oder weniger Geschick den Kindern Lesen und Schreiben, die Elemente der Rechenkunst und rein gedächtnismäßig religiöse Stoffe beibrachten. Schlimm wurde es, wenn die Schulstube zugleich Handwerksstube war, etwa zum Trockenen von Fellen benutzt wurde [...]. Der erste Schulmeister hat bereits vor 1652 bis 1659 in Darkehmen gewirkt, in welchem Zeitraum er hier gestorben ist [...]. Ueber seine Nachfolger wissen wir nur, daß sie den Titel "Präzentor" führten und jährlich 50 preußische Mark (etwa 11 Taler) aus der Kirchenkasse erhielten. Von 1706 bis 1710 wird Johann Erich Paise als Präzentor genannt. Sein Nachfolger war Franz Benjamin Seiffert, der 1723 starb. Wo das erste Schullokal stand, wissen wir nicht. 1706 wurde eine neue Kirchschule gebaut, die wahrscheinlich auf der Ecke der heutigen Wilhelm- und Schulstraße (Hofersches Grundstück) stand. Ein aler Stall und Scheune wurden angekauft und dem Präzentor zugewiesen. Die Zahl der Schulkinder wird nirgends erwähnt, jedenfalls war sie sehr klein, wie sich aus dem Schulbesuch unter Seifferts Nachfolger schließen läßt. Aus den entfernteren Teilen des Kirchspiels kamen keine Kinder."10) 

"Das 1707 erbaute Schulhaus war bereits 1733 so baufällig geworden, daß man es räumen und seine Türen vernageln mußte. Der König schenkte im selben Jahre das Haus Nr. 59 in der heutigen Schulstraße. Es war zwar geräumig [...] aber ebenso schlecht gebaut wie die meisten königlichen Häuser. Schon 1745 neigte sich die Straßenfront, sodaß man 1764 abermals vor die Baufrage gestellt war. Nun ging man daran, ein festeres Haus zu errichten, das seinen Zweck als Volksschule noch heute erfüllt."14)

"Die Schülerzahl hatte inzwischen [um 1750] stark zugenommen. Außer den Kindern der Stadt besuchten die aus Kl. Darkehmen, Menturren und Gr. Pelledauen die Darkehmer Schule. 1737 hatte Säuberlich [Präzentor in Darkehmen seit 1723] 64 deutsche und 22 litauische Kinder. 1756 waren etwa 200 schulpflichtige Kinder vorhanden, von denen jedoch 84 nicht kamen [...]. Die Landkinder wurden der Schule meistens durch die Scharwerksdienste entzogen. Um die Schule zu heben und die Stadtkinder auch in den Wissenschaften fördern zu können - man verstieg sich bis zum Hebräischen, - wünschte der Magistrat die Anstellung eines Rektors als zweiten Lehrer. Nun waren die Einnahmen aber schon sowieso gering, weil durch das Nichterscheinen der 84 Kinder viel Schulgeld verloren ging. So setzte Schröder [Präzentor in Darkehmen seit 1750] durch, daß vorläufig nur ein Hilfslehrer angestellt wurde. [...] Um die Schule leistungsfähig zu gestalten, wurde endlich beschlossen, das Kantorgehalt zu kürzen und einen Rektor anzustellen."13) 

"Neben dieser 'Kirchschule, kombiniert mit der Stadtschule', wie sie 1800 hieß, bestand seit 1782 die sog. 'kleine' oder 'Mädchenschule', die Vorläuferin der späteren 'Volksschule'. Pfarrer Koch trat für ihre Gründung ein, um den armen Kindern eine billigere Unterrichtsmöglichkeit zu schaffen. Aus demselben Grundse wurde sie von Kantor und Rektor bekämpft, obgleich sie sich nun dem lateinischen Unterricht mehr widmen konnten, weil nicht nur arme, sondern auch weniger begabte Kinder und die Anfänger der neuen Schule zugeführt wurden."17) 

"In den nächsten Jahrzehnten nahm die Schülerzahl [...] schnell zu. Die 'kleine Schule' bestand bald aus 3 Klassen. 1840 wurde eine Klasse als besondere 'Armen- oder Volksschule' abgetrennt, woraus sich dann 3, zeitweise 4 Klassen entwickelt haben. [...] Die beiden anderen Klassen der kleinen Schule wurden als Elementarklassen zur Stadtschule geschlagen."28)


Quellen:

1) nach Rolf Jehke: www.territorial.de

2) aus: www.ostpreussen.net. Lediglich Rechtschreibfehler wurden korrigiert.

3) aus: http://www.arge-ost.de/

4) http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/inhaltsverzeichnisKasernen.htm

5) Otto Maaß: Die Elektrifizierung der Stadt Darkehmen im Jahre 1886, in: Heimatkundliche Blätter, Nr. 20 v. 04.08.1934, S. 135f.

6) nach: Die Kampfhandlungen der brandenburgisch-preußischen Armee 1626-1807. Ein Quellenhandbuch. Zusammengestellt und erläutert von Günther Gieraths. Berlin 1964.

7) APG 14,280.

8) APG 8 (1934), S. 35f. Nach Hensel geriet die Stadtchronik "ins Stocken, bis ein zugewanderter Bürger, der spätere Rentier Karl Johann August Käswurm, welcher 1864 Ratmann wurde, an die Fortsetzung der Stadtchronik heranging. Ueber 20 Jahre war er mit der Erforschung der Stadtgeschichte beschäftigt. Als er aber 1886 die Stadt verließ, trat wieder ein Stillstand ein, bis der Stadtkassenrendant Kretschmer einen Bericht über die Zeit von 1886 bis 1907 verfaßte" (ebd.).  Käswurm hat über zehn Bände hinterlassen, "die teils stadtgeschichtlichen, teils topographischen, teils genealogischen Inhalts sind. Sein Hauptwerk bleibt aber die Bürgerliste, welche 2569 Namen in alphabetischer Reihenfolge enthält [...]." (ebd.) Grigoleit, der 1932 in Darkehmen war, fährt fort: "Außerdem befinden sich beim Magistrat u. a. folgende wertvolle Quellen genealogischen Inhalts: Nachweisung der Hausbesitzer in Darkehmen seit 1725; Reponirte Akten des Magistrats in Darkehmen betreffend Bürgerlisten, d. i. Nachweisungen über die Einwohner und namentlich die Bürger und Grundbesitzer in Darkehmen 1723 bis 1729; Reponirte Akten ... betr, der Ratsverwandten 1726 bis 1759." (ebd.) So weiß man denn jetzt wenigstens, was alles verloren ist - oder hat sich irgendwo eine dieser Schriften überliefert?

9) AH 1973, S. 7

10) Storz, Karl: Darkehmen. Geschichte des Wohnplatzes und der Stadt bis zur Gegenwart. Darkehmen 1925, S. 20

11) ebd., S. 29

12) ebd., S. 49

13) ebd., S. 52

14) ebd., S. 53

15) ebd., S. 56f.

16) ebd., S. 57

17) ebd., S. 67

18) ebd., S. 70

19) ebd., S. 74

20) ebd.

21) ebd.

22) ebd., S. 76

23) ebd., S. 81

24) ebd.

25) ebd., S. 82

26) ebd.

27) ebd., S. 82f.

28) ebd., S. 93

29) ebd., S. 95

30) Storz a.a.O., erwähnt ihn nicht.

 

Seite erstellt: 20.11.09

zuletzt geändert: 17.01.12